Ein Judo-Kenner ist für immer von uns gegangen
Wenn man wissen wollte, wer, wann und wo einen Meistertitel im Judo gewonnen hatte, musste man nur einen fragen: Karlheinz Otto. Das Ehrenmitglied des Judo-Verbands Berlin war die erste Adresse für alle, die tief in die Geschichte des Judosports eintauchen wollten.
Karlheinz Otto, liebevoll „Kalle“ genannt, verstarb nun am 9. Februar 2026 im Alter von 87 Jahren.
Eigentlich war Karlheinz Otto kein Judoka. Fechten war seine erste sportliche Heimat. Den Umgang mit dem Sportgerät beherrschte er ebenso wie später den mit Worten. Als Sportjournalist bei der DDR-Nachrichtenagentur ADN kam er 1965 bei der Pionier-Spartakiade in Magdeburg erstmals mit Judo in Berührung. Von da an ließ ihn diese Sportart nicht mehr los. Er berichtete über Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften sowie DDR- und Deutsche Meisterschaften. 1980 war er in Moskau dabei, als Dietmar Lorenz der erste deutsche Olympiasieger im Judo wurde. Aus dem Beobachter wurde ein ausgewiesener Kenner der Szene.
Auch später blieb er dem Judosport eng verbunden. Für das Judo Magazin schrieb er als freier Mitarbeiter seit Beginn der 1990er Jahre zahlreiche Artikel und Porträts. Von 1995 bis 2012 engagierte er sich ehrenamtlich als JVB-Pressereferent. Viele Jahre gehörte er zum Organisationsteam der heutigen U18- und U21-Europacupturniere in Berlin. In seinem Verein Kampfsportschule im Klostergarten kümmerte er sich ebenfalls um die Öffentlichkeitsarbeit. 2005 war er Mitinitiator der Deutschen Ü30-Meisterschaften in Berlin. Gemeinsam mit Lothar Nest gründete er das Judo-Welt-Museum in Marienfelde. Zudem gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Hilfsvereins Judoka für Judoka. Die Liste seiner Engagements ließe sich weiter fortsetzen und sie wäre bestimmt nie vollständig.
Karlheinz Otto war nicht nur das wandelnde Lexikon oder der akribische Journalist, der über Judo geschrieben hat. Er war ein Mensch, dem dieser Sport am Herzen lag und dem die Menschen darin noch mehr bedeuteten. Wer ihn kannte, weiß, dass er nie um eine klare Meinung verlegen war und sich nicht verbiegen ließ. Seinen Einsatz für den Berliner Judosport, sein Engagement hinter den Kulissen und seine Begeisterung, die er so viele Jahrzehnte lang lebte, werden wir nicht vergessen. Wir werden ihn in stets ehrendem Gedenken behalten.

Hinweis: Die in diesem Artikel verwendeten Fotos wurden mit Unterstützung von KI-Tools nachretuschiert.
