Donnerstag, Juli 25, 2024
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Wahl der Bundesjugendleitung – gewichtsnahe Gruppen – Mixed-Teams in der Jugend

Die Bundesjugendversammlung, ursprünglich in Berlin geplant, fand an diesem Wochenende in Saarbrücken statt. Eine sehr hohe Auslastung der Hotelkapazitäten durch die Europameisterschaften und das damit verbundene Preisniveau, machte diese Umplanung notwendig. Berlin war mit Jan Sprenger unserem Jugendreferent vertreten.Die Vertreter der Landesverbände wählten in einer spannenden Wahl die neue Bundesjugendleitung und den Vizepräsidenten Jugend im DJB.
Mit dem Beginn des neuen Olympiazyklus ab 2025 wurde die Diskussion über die Gewichtsklassenregelungen in der Jugend auf die Tagesordnung gestellt und diskutiert. In den Altersklassen unterhalb der u18 besteht die Möglichkeit, dass bei Einzelturnieren in gewichtsnahen Gruppen gekämpft werden kann. Mannschaftskämpfe der u15 und u18 werden in Zukunft im Mixed-Team Format durchgeführt.
Selten war es so spannend wie dieses Jahr. So wurde bereits der gemeinsame Abend auf Einladung des Saarländischen Judobundes für zahlreichen Diskutieren zu denn anstehenden Themen im Vorfeld genutzt . Dabei tauschte man sich auch über Möglichkeiten der Auswertung von Gewichtsdaten, als auch über Gruppenbildung bei Judo-Turnieren aus. 

Wahlen der Bundesjugendleitung und des Vizepräsidenten

Obwohl sich in der Besetzung der Ämter, die gewählt wurden, wenig verändert hat, gab es überraschende Kandidaturen. Zuerst wurde über das Amt des Vizepräsident Jugend im DJB besetzt. Zu Kandidatur standen Norbert Speckert, der dieses Amt seit 2023 nachgewählt inne hat und Julian Jellensky, Jugendreferent aus Niedersachsen.
Um trotz des überraschenden Antritts eine fundierte Stimme zu geben, nahm sich Berlin den Raum für mehrere Fragen an die Kandidaten. Unter anderem fragten wir, nach den spezifischen Fähigkeiten, die für dieses Amt notwendig sind, dem Umgang mit potentiellen Interessenkonflikten, und den Verhaltensstrategien bei möglichen Meinungsverschiedenheiten mit der Bundesjugendleitung. Norbert gewann die Abstimmung klar.
Die zweite unerwartete Kandidatur war die von Cordula Reddig (Jugendreferentin Aus- und Fortbildung) für die Position der Bundesjugendleiterin. Jane Hartmann hat dieses Amt seit mehreren Jahrzehnten inne. Auch hier hat Berlin die Möglichkeit ergriffen mehrere Fragen zu stellen. Wir baten darum die aktuellen Probleme innerhalb der Jugendleitung zu erläutern und notwendige Änderungen an dem aktuellen Kurs aufzuzeigen. Die Wahl endete im Gleichstand. 23 zu 23 Stimmen. Auch die Stichwahl änderte daran nichts. Die Regeln sehen in diesem Fall ein Losverfahren vor. Niemand wollte in diesem Moment in den Füßen des Wahlleiters Stephan Bode (Bundeskampfrichterreferent) stecken. Beide Kandidatinnen beharrten auf ihre Kandidatur. Das Los beförderte Jane Hartmann erneut in das Amt der Bundesjugendleiterin.
Solch knappe Abstimmungen sind neu für dieses Gremium und beinhalten einen klaren Handlungsauftrag.

Desweiteren ist Simon Schilde (ehem. Bundesjugendleiter) zurück getreten. Seine Stelle nimmt Martin Schultheiss aus Brandenburg ein. Peter Wiese und Henrietta Weinberg wurden, mit einzelnen Gegenstimmen, wiedergewählt (stellv. Bundesjugendleiter/in).

Nach der Mittagpause führte Ralf Lippmann (Bildungsreferent DJB) eine interaktive Einheit durch, die unter der Erklärung von Kompetenzorientierung das neue Graduierungssystem einordnete.

Gewichtsgruppen gewinnen an Stellenwert

Die restlichen Anträge erhielten nun endlich den Raum, den sie verdienten. 2024 ist ein olympisches Jahr. Es durfte also über Gewichtsklassen in der Jugend abgestimmt werden. Wenn die Mitgliederversammlung des DJB zustimmt treten die Änderungen ein, die im Folgenden erläutert sind.
Zuerst allerdings wurde sich mit dem Verfahren des Wiegens auseinandergesetzt. Fortan werden Kinder in und Unterhalb der u15 nur noch mit Judohose und T-Shirt die Waage betreten. Die Toleranz des Gewichts steigt auf 500 Gramm. Durch diese Regelung wird die Nutzung der Bildverarbeitungsgeräte an der Waage leichter. Auch in der u18 wurde die Maßnahme diskutiert. Dort war der wesentliche Kritikpunkt, dass internationale Turniere unter dieser Regel leiden. Berlin stimmte für die Anträge.

Im Folgenden wurde über Gewichtsklassen und Gewichtsgruppen diskutiert, wozu 3 Anträge vorlagen.  
In der u13, in der bisher Gewichtsklassen durch die Wettkampfordnung verpflichtend waren, gibt es nun eine Empfehlung für Gewichtsnahe Gruppen. Landesverbände haben hier Kompetenzen gewonnen.
In der u15 gilt das gleiche. Landesverbände können nun festlege, dass bei Einzelturnieren die Wettkämpfe in gewichtsnahen Gruppen stattfinden.
Diese Möglichkeit gab es vorher nicht. Wenn in Gewichtsklassen gekämpft wird, sind diese die gleichen wie bisher.
Der letzte Antrag, der sich mit Gewichtsklassen auseinandersetzte, kam von Berlin. Ursprünglich behandelte der Antrag die Abschaffung von Gewichtsklassen in der u11 und in der u13. Da sich in der u13 allerdings bereits ein tragbarer Kompromiss gebildet hat, wurden seine Chancen durch die Streichung jener erhöht. Das heißt, alle offiziellen Turniere der u11 werden fortan in gewichtsnahen Gruppen gekämpft. Die Ausgestaltung dieser Gruppen sind frei umsetzbar.
Bei allen Anträgen hat Berlin vehement dafür argumentiert. Mithilfe von eigens erhobenen Daten, der Präsentation eines neuen Turniermanagers (Tatami2024 von Paul Strohbach, Berlin), die eine flexible und schnelle Einteilung in alle Arten von Gewichtsgruppen ermöglicht, sowie einer Vielzahl wissenschaftlicher und persönlicher Zitationen hat Berlin eine große Überzeugungskraft entfaltet.
Die Atmosphäre reichte von kräftigem Hinterfragen von Verantwortungen, über sanftes Grummeln bis hin zu betretenem schweigen. Alle Anträge wurden klar angenommen.

Aufgrund der nun veränderten Regularien und wegen einer ungünstigen Rollenverteilung wurden zwei Anträge zu der Erfassung von Gewichtsdaten von Berlin zurückgezogen. Die Bundesjugendleitung äußerte Interesse an dem Thema und an den von Berlin zur Verfügung gestellten Daten.

Mannschaftsturniere verändern sich

Mannschaftswettkämpfe in der u15 und u18 werden in Zukunft im Mixed Format durchgeführt. Der Qualifikationsmodus in der u18 ändert sich. Es gibt dort nun eine DVMM für die ersten drei Platzierten Mannschaften einer Gruppenmeisterschaft und einen deutschen Vereinspokal für den 5., 6. und 7. Platz. Berlin stimmte zu. 

Keine DEM u15

Die DEM u15 wurden von der JVV mit Nachdruck abgelehnt. Die European Cups in der u15 werden wahrscheinlich nicht kommen. Es gab keine Fürsprecher. Berlin stimmte mit nein.

Die Beschlüsse bedürfen noch der Zustimmung der Mitgliederversammlung des DJB.

(Text nach Jan Sprenger, Jugendreferent des JVB)