Judo Without Borders: Wenn Judo Brücken baut
Sagi Muki und Saeid Mollaei bringen ihre besondere Freundschaft nach Berlin.
Rund 250 Judoka erleben zwei Tage, die weit über den Sport hinausgehen
Es war die Idee, zwei Menschen mit einer außergewöhnlichen Geschichte genau an den Ort zu holen, der selbst wie kaum ein anderer für überwundene Grenzen steht: nach Berlin, in die ehemals geteilte Stadt.
Daraus entstand „Judo Without Borders“. Initiiert von DJB-Referent Patrick Stix und mit starker Unterstützung seines Referentenkollegen Stephan Steigmann kamen der israelische Weltmeister Sagi Muki und der im Iran geborene Weltmeister Saeid Mollaei am 3. und 4. Oktober ins historische Sportforum Berlin.
Zwei ehemalige Konkurrenten der Weltspitze. Zwei Olympiamedaillengewinner. Zwei Männer, deren Herkunftsländer politisch kaum weiter voneinander entfernt sein könnten – und die heute eine enge Freundschaft verbindet.
Dass der erste Veranstaltungstag ausgerechnet auf den Tag der Deutschen Einheit fiel, verlieh diesem Wochenende eine zusätzliche Symbolkraft. An einem Tag, der für das Überwinden von Trennung steht, kamen Menschen aus vielen Teilen Deutschlands und aus unterschiedlichen Nationen zusammen, um genau das zu erleben, wofür „Judo Without Borders“ steht: Begegnung statt Abgrenzung. Respekt statt Vorurteil. Brücken bauen, wo andere Grenzen sehen.
Mehr als 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene standen am Samstag gemeinsam auf der Matte.

„Open your mind.“
Dieser Satz von Sagi Muki wurde zu einer der Botschaften des Wochenendes. Offen sein für andere Menschen. Bereit sein, eigene Sichtweisen zu hinterfragen. Einander zuzuhören und sich mit Respekt zu begegnen.
Genau dafür bietet Judo einen besonderen Raum. Auf der Tatami ist zunächst nicht entscheidend, wo jemand geboren wurde, welche Sprache er spricht oder welcher Religion er angehört. Man trainiert miteinander, übernimmt Verantwortung füreinander, vertraut seinem Gegenüber. Wer wirft, hilft wieder auf. Wer miteinander kämpft, verbeugt sich voreinander.

Vielleicht beschreibt nichts besser, was diesen Sport ausmacht.
Auch außerhalb der Matte wurde die Bedeutung der Veranstaltung deutlich. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, begrüßte die Teilnehmenden im Vorfeld mit einer Videobotschaft. Vor Ort richteten unter anderem Keren Vogler von MAKKABI Deutschland sowie Paul Wedeleit von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, in Vertretung der Senatorin, Grußworte an die Gäste.

Am Sonntag wurde der Gedanke von „Judo Without Borders“ in einer Trainer-Fortbildung weitergeführt. Denn Trainerinnen und Trainer sind diejenigen, die nicht nur Techniken vermitteln. Sie prägen Vereinskultur, begleiten junge Menschen und tragen die Werte unseres Sports weiter. Sagi Muki und Saeid Mollaei gaben dabei ihre Erfahrungen an diejenigen weiter, die diese Botschaft künftig in ihre Vereine und auf ihre eigenen Matten mitnehmen.

Über beide Tage kamen rund 250 Judoka im Sportforum Berlin zusammen.
Und die Wirkung reicht längst darüber hinaus. Fotos, Videos und Eindrücke des Wochenendes verbreiten sich über die sozialen Medien und zeigen, dass die Geschichte von Muki und Mollaei Menschen berührt – innerhalb und außerhalb der Judo-Familie.
Vielleicht gerade deshalb, weil sie nicht inszeniert werden muss.
Da stehen zwei Freunde nebeneinander auf einer Judomatte. Ein Israeli und ein im Iran geborener Judoka. In Berlin. In einer Stadt, die selbst jahrzehntelang durch eine Grenze geteilt war. Am Wochenende des Tages der Deutschen Einheit.
Mehr Symbolik braucht es manchmal nicht.
Judo kann politische Konflikte nicht lösen. Aber Judo kann Menschen zusammenbringen. Es kann Begegnungen ermöglichen, Vertrauen schaffen und zeigen, dass Grenzen in den Köpfen überwunden werden können.
Genau das hat „Judo Without Borders“ in Berlin gezeigt.
Open your mind. Bau Brücken. Und lebe Judo.
(Teilnehmer U18 und älter – Foto: Stephan Steigmann)

